14.08.2003


Pilger brachten einst viel Geld Gotteshaus lebte von St. Anna / Verein zum Kirchenerhalt geplant


BEATE KOPF

ALT KRÜSSOW Sogar die Bauarbeiter aus Königsberg, die derzeit den Dorfring im Pritzwalker Ortsteil Alt Krüssow pflastern, machen sich Gedanken: „Was soll eigentlich mit der Kirche werden? Die sieht ja schlimm aus.“ Durch kaputte Fenster weht der heiße Wind und auch das Mauerwerk macht an vielen Stellen einen maroden Eindruck.

Damit sich das ändert, soll jetzt ein Verein ins Leben gerufen werden, der sich der alten Wallfahrtskirche annimmt. Karin Kostka, die auch die Dorferneuerungsplanung für Alt Krüssow erarbeitet hat, ist eine der Initiatorinnen. „Unser oberstes Ziel soll die Hilfe bei der Erhaltung der Kirche sein – und zwar nicht nur als sakrales Gebäude“, sagt sie. Ist die Bausubstanz gesichert, wolle der Verein helfen, das Haus wieder mit Leben zu füllen: Ein soziokulturelles Zentrum soll entstehen. „Jetzt wird die Kirche nur zu Gottesdiensten am Heiligen Abend genutzt“, bedauert die Planerin.

Denn das Gotteshaus in Alt Krüssow, das zur Kirchengemeinde Kemnitz gehört, hat laut Kostka eine interessante Geschichte. „Die Kirche wurde im 15. Jahrhundert durch den Einfluss der Wunderblutkapelle in Heiligengrabe errichtet“, erzählt sie. Das Stift habe für Geld und Baumaterialien gesorgt. Dass ein so kleines Dorf wie Alt Krüssow eine so große und prächtige Kirche besitze, habe seinen Ursprung in der St.-Annen-Verehrung. In kurzen Zügen hat Kostka dies auch in der Dorferneuerungsplanung für den Ortskern beschrieben.

Demnach wurde das 1367 erstmals erwähnte Alt Krüssow zu einer der Prignitzer Wallfahrtsstätten: Die Kirchengemeinde besaß ein angeblich Wunder wirkendes St.-Annen-Bild. Das Heiligenbild von Alt Krüssow habe durch seine Anbetung zahlreiche Wunder bewirkt: „Krüppel wurden gerade und flink, Lahme wieder gehend, Blinde wieder sehend und Kranke wurden wieder gesund.“ Noch bis in die Nachkriegszeit des zweiten Weltkrieges hinein hätten in der Kirche abgelegte Krücken der Alten gehangen, erzählt Kostka. Die vielen Fremden, die nach Alt Krüssow gepilgert seien, hätten viel Geld mitgebracht. Das sorgte dafür, dass die Kirchengemeinde im 15.Jahrhundert das große Gotteshaus mit dem herrlichen Giebel bauen konnte.

Auch Uwe Dummer, der Mitglied im Gemeindekirchenrat ist, will sich für den Erhalt der Kirche einsetzen. „Mit dem Verein wollen wir einen gemeinnützigen Status bekommen.“ Damit können laut Kostka über die Dorferneuerung auch Fördermittel für den Erhalt des denkmalgeschützten Bauwerkes beantragt werden. Bis zu 20000 Euro reiche das Amt für Flurneuordnung und ländliche Entwicklung in Neuruppin aus, weiß die Planerin. Bis es soweit ist, müssen sich freilich genug Interessenten finden, die den Verein mittragen wollen. Kostka und Dummer hoffen dabei vor allem auf die Mithilfe und auf Anregungen der Alt Krüssower. „Die Satzung wird ja erst bei der Gründungsversammlung beschlossen“, sagt Dummer.

Wer sich für den Erhalt der Alt Krüssower Kirche engagieren will, der kann sich am kommenden Mittwoch, 20. August, um 19 Uhr zur Gründungsversammlung des Vereins in der Kirche einfinden.




Fenster Schliessen

Artikelansicht

A  A  A



© Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam
Realisiert von Unrast Kommunikation mit ico»cms