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20.02.2006


Eine Gegend, die inspiriert Berliner Ehepaar hat Rosenwinkel für sich entdeckt




HAJO NITSCHKE

ROSENWINKEL „25 Jahre nur Stadt, das hatten wir satt“, sagt Frank Böttcher, der mit seiner Ehefrau Gudrun Minnich im Juli 2005 als Zweitwohnsitz das ehemalige Bauerngrundstück Ehlert in Rosenwinkel kaufte. Das ist dort, wo hinter dem Hof jedes Jahr die Familie Adebar wohnt. Beim jüngsten Konzert in Bernd Linstädts Kultur- und Kunstkeller wurde das Paar freudig als Neu-Rosenwinkler begrüßt. In Rosenwinkel sagt man: „Ah, die Berliner.“

Ganz so neu in Rosenwinkel sind die Hauptstädter auch nicht mehr, kennen neben den Einheimischen auch außerhalb des Dorfes der Rosen schon eine ganze Menge Leute. „In Berlin sind wir verwurzelt. Aber dort schaltet man nicht mehr ab. Hier läuft man einfach über den Acker, geht Schlittschuhlaufen oder in Meikels Taverne“, sagt der kontaktfreudige Böttcher. Der Gründer und Chef des Berliner Lukas Verlages im Stadtbezirk Prenzlauer Berg und seine Frau, Psychoanalytikerin mit eigener Praxis in Weißensee, haben im Internet nach so einem Anwesen wie dem in Rosenwinkel gesucht. Ein Besuch im Rosenwinkler Ausbau bei Mario Kern – man kennt sich aus Ostberliner-Zeiten – half bei der Entscheidungsfindung. „Ihr passt hier gut her, hat Mario gesagt, und er hat Recht gehabt. Wir sind glücklich hier, verliebt in das massive Backsteinhaus und in die Gegend. Die Rosenwinkeler sind nett und hilfsbereit“, erzählt der Verleger, der sonst ganz in seiner Arbeit aufgeht.

Der Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte des studierten Kunsterziehungs- und Deutschlehrers hatte kürzlich zehnjähriges Bestehen. Auf inzwischen „180 durchweg kluge, notwendige, grundsolide und schöne Bücher, verfasst von ebenso klugen, treuen und wohlwollenden Autoren, unterstützt von vielen Partnern“ ist Böttcher stolz. Verlegt wurden unter anderem auch „Von blutenden Hostien, frommen Pilgern und widerspenstigen Nonnen“ von Friederike Rupprecht, der Äbtissin des Heiligengraber Kloster Stifts oder „Die Wallfahrtskirche St.-Annen in Alt Krüssow“ von Hartmut Kühne und Dirk Schumann. Der Verlag hat Kontakt zum Förderkreis Alte Dorfkirchen Berlin-Brandenburg e.V., der auch in der hiesigen Region aktiv agiert. „Wenn ich Bücher über Brandenburg mache, finde ich schön, dass ich hier sein kann“, sagt Böttcher, der früher unter anderem auch Kunstkritiken von Ausstellungen für Tageszeitungen geschrieben hat. Hier in Rosenwinkel und der ganzen Region atmet er durch. Man lässt sich inspirieren. Gattin Gudrun liebt lange Spaziergänge. Er selbst freut sich über eigenen Grund und Boden und über Spaß mit den Leuten.

Der 45-Jährige erinnert sich seiner Kindheit am Stadtrand von Wittenberg – „wo wir Kaninchen hatten, wo es Bauernhöfe gab, und ich mit dem Pferdefuhrwerk mitfuhr, um Milchkannen einzusammeln.“ Landwirtschaft will das Ehepaar auf dem Hof nicht betreiben – trotz der Nebengebäude. Aber die Verantwortung für die Erhaltung des etwa 2000 Quadratmeter großen Grundstücks sei reizvoll.

Die 15-jährige Tochter und der 17-jährige Sohn sind von allem nicht so beeindruckt. Sie sind am liebsten in Berlin. „Aber in Linstädts Kultur- und Kunstkeller war es gut.“ Wenn der angedachte Kultur- und Kunstverein in Dahlhausen gegründet wird, kann sich Böttcher eine Mitgliedschaft durchaus vorstellen. Auch eine Lesung dort. Wenn gewollt, vielleicht auch sogar in Rosenwinkel. Die Böttchers wollen sich einbringen und eingliedern, aber nichts „umkrempeln“.




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